28. Jahrestagung der Deutschen Vereinigung für Chinastudien (DVCS)

Über den Umgang mit Vergangenem in der chinesischen Kultur

27.–28. Oktober 2017 an der Universität Wien (Campus)

Teile der Vergangenheit im kollektiven Bewusstsein zu halten und gezielt zu vergegenwärtigen, prägt unmittelbar auch die subjektive Wahrnehmung des Individuums. Zu einer Kultur des Erinnerns und Gedenkens gehören gesellschaftliche Auseinandersetzungen, Verkettungen, Krisen und Schicksalsschläge genauso wie positiv besetzte Momente und glückliche Begebenheiten

Die diesjährige DVCS-Tagung möchte verschiedene Formen des Reproduzierens und der Reproduzierbarkeit des Erinnerns aufgreifen, die das Festhalten von Vergangenem genauso einschließen wie das Bewahren gegenwärtiger Erkenntnisse. Gleichzeitig soll Erinnerung als Ergebnis dieser Prozesse aus verschiedenen disziplinären Perspektiven betrachtet und deren Bedeutung für die vergangene und gegenwärtige Entwicklung Chinas aufgezeigt werden.

Gedächtniskultur lässt sich verankern in historischen Gedächtnisstätten wie Palastruinen und Heldenschreinen, aber auch immateriell in Gedächtnislyrik, Geschichtsschreibung und (Auto-) Biografie. Viele offizielle und inoffizielle Erinnerungsorte und die mit ihnen verbundenen Gewichtungen und Tabus haben eine bedeutende Rolle in der politischen Wahrnehmung und Argumentation im chinesischen Kulturraum gespielt. Visuelle Bezugspunkte reichen von institutionalisierter Museumsarchitektur bis zum Erinnern in Film, Fernsehserien, Theater, Musik und Literatur und sind teilweise als Gegenstrategie zu staatlich verordnetem Vergessen zu verstehen.